Ein Vormittag auf unserer Hausbesuch-Runde
Dienstags um halb neun sitzen wir zu dritt im Besprechungsraum, eine Liste vor uns: sechs bis acht Adressen, jede mit einer kurzen Notiz zum Anlass. Manche Namen kennen wir seit Jahren — feste Kontrolltermine bei Patientinnen und Patienten, die dauerhaft bettlägerig sind. Andere sind neu dazugekommen, weil ein Angehöriger am Vortag angerufen hat. Bevor die Tasche gepackt wird, gehen wir jede Adresse kurz durch: Was wurde beim letzten Besuch festgestellt, welche Medikamente laufen aktuell, worauf muss die kollegin oder der Kollege heute besonders achten, falls die Reihenfolge sich ändert.
Die erste Station ist meist die dringlichste — heute eine 88-jährige Patientin mit frisch aufgetretenem Fieber. Vor Ort zeigt sich schnell: kein Notfall, aber ein Harnwegsinfekt, der ambulant behandelt werden kann. Wir stellen ein Rezept aus, das die Tochter noch am selben Tag in der Apotheke einlösen kann, und vereinbaren eine telefonische Kontrolle für den nächsten Morgen. Genau solche Situationen sind der Grund, warum wir Hausbesuche überhaupt anbieten: Ein Rettungswageneinsatz wäre für diese Patientin belastender gewesen als hilfreich.
Die restlichen Stationen sind ruhiger — eine Blutdruckkontrolle hier, das Wechseln eines Verbands dort, ein kurzes Gespräch über eine Medikamentenumstellung, die seit dem letzten Besuch Wirkung gezeigt hat. Zwischen den Terminen bleibt kaum Leerlauf: Wir dokumentieren im Auto, damit die Kollegin am Empfang die Folgetermine schon einplanen kann, bevor wir überhaupt zurück in der Praxis sind.
Gegen halb eins sind wir wieder da, tauschen kurz mit dem Team am Empfang die wichtigsten Punkte aus und gehen in den regulären Sprechstundenbetrieb über. Was von außen nach einem Nebenschauplatz aussieht, ist für uns ein fester Teil der Woche — und für die Patientinnen und Patienten, die wir dort besuchen, oft der einzige Kontakt zur Praxis, den sie noch wahrnehmen können.